Music

Das Theaterstück zu den Känguru-Chroniken in Gera ist nicht witzig…

…aber das will es zum Großteil auch gar nicht sein.

Zu Beginn hangelt es sich zusammenhangslos an einigen Höhepunkten der (Hör-)Buchvorlage entlang. Entgegen der Vorlage ist das Känguru nur nervig lustlos, anstatt witzig zu wirken. Der Mark-Uwe-Darsteller singt regelmäßig, was Geschmackssache ist.

Doch dann ein Stimmungswechsel.

Mark-Uwe sitzt auf der Couch beim Psychater, der von einem sehr wandlungsfähigen Schauspieler dargestellt wird und für alle Nebenrollen (Herta, Nazi, Frau beim Arbeitsamt) herhalten muss. Es ist die erste Szene ganz ohne Känguru und irgendwie auch die erste, bei der ich lachen kann. Daraufhin folgen noch weitere mit Känguru, die ebenfalls witzig sind, aber darüber sinieren lassen, wieso das Stück nicht von Anfang an gut sein kann. Vielleicht, weil leider kein sprechendes Känguru auf der Bühne steht, sondern ein rundlicher Mann in dickem Pulli mit Puschelöhrchen und Leggins.

Zur Pause hin wird es nochmal besser und das Stück hält das Niveau eigentlich auch bis zum Ende. Eine Selbstkritik von Mark Uwe Klings Geist, der im Hauptdarsteller feststeckt und so vieles am Stück schrecklich findet, trägt ebenso dazu bei.

Doch gibt es vor allem eine Szene, die alles andere als witzig sein will. Dabei erzählt der Mark-Uwe-Darsteller von einer seiner ersten Lesungen. Damals wurde er gefragt, wieso er denn so viel über Rassisten schreiben würde – die gäbe es doch gar nicht mehr. Direkt im Anschluss erklärt er, dass es traurig sei, so etwas heutzutage nicht mehr gefragt zu werden.

Auf diese Szene folgten gefühlte 2 Minuten schwere Stille im Raum, um die Worte sacken zu lassen. Ich hoffte darauf, dass endlich einer der Darsteller etwas sagt und die Stille beendet, doch dauerte es fast eine Ewigkeit, was den Ernst der Lage und die nicht witzige Seite des Theaterstücks nur weiter unterstrich.

Insgesamt lohnt sich der Besuch für Fans der Vorlage, doch lassen die Theatermitarbeiter vor Ort einen faden Beigeschmack. Die Bar direkt neben dem Theater war die ganze Zeit geschlossen. Ein Hinweisschild zeigte den Weg in die erste Etage, wo man sich Getränke und Snacks kaufen kann. Die Dame am Tresen fragten wir, ob wir die Getränke von hier unten mit ins Theater nehmen können. Entweder war es ihr erster Tag oder sie stellte der Theatervorlage entsprechend den Kapitalismus dar, als sie meinte, das sei kein Problem.

Denn auf das Problem staßen wir schon bei den Kartenkontrolleuren, die das Gegenteil behauptete. Ergo mussten wir unsere Getränke auf einmal leer trinken, anstatt für die gesamten zwei Stunden etwas parat zu haben. Zudem durften wir in der Pause nichtmal sitzen bleiben, nur weil auf der Bühne ein paar Scherben von Zuckerglas weggekehrt wurden…

Fazit für die Bühne am Park: Scheißverein!

Fazit für das Theaterstück: Mal witzig, mal nicht witzig, insgesamt lohnenswert.

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Erstaunliche Artistik bei 44. Sport & Show

Mein Artikel zum 44. Sport & Show in Rotenburg an der Fulda, so erschienen am 17. Januar (für alle, die es heute lesen, ja morgen 😉 ) in den Heimatnachrichten Melsungen:

 

Gespannt schauten rund 2.000 Besucher in die Mitte der Göbel Hotels Arena, bevor die 44. Auflage von Sport & Show am Freitag startete. Programmorganisator Hans Hantke ließ nicht lange auf sich warten, begrüßte die Gäste und machte die Arena frei für die Sächsische Artistenschule aus Dresden.

Trubel an jeder Ecke

Die Kinder und Jugendlichen machten vor, wie ein Auftritt aussehen kann, wenn das Publikum von drei verschiedenen Seiten zuschaut. Schnell verlor man sich mit dem Blick bei zwei oder drei Artisten und übersah dabei das eine oder andere Kunststück an anderer Stelle. Vor allem in der Mitte überzeugte eine Artistin mit erstaunlicher Körperspannung an und auf einer Stange.

Schwung in der Hüfte

Nach dem ersten Auftritt war die Sächsische Artistenschule noch nicht müde und schnappte sich etliche Hula Hoop Reifen. Doch sie stoppten nicht bei drei oder vier Reifen, die gleichzeitig um Hüfte, Taille, Hals und Handgelenk kreisten. Einige der Hüften schwingenden Damen ließen sich sogar weitere Reifen zuwerfen, die sie tadellos in ihre Bewegungsabläufe integrierten. Zugespitzt hat sich der Auftritt, als erst alle Reifen auf zwei Damen und daraufhin alle Reifen auf eine Dame verteilt wurden. Selbst das Kreisen lassen von geschätzt 30 Reifen klappte für einige Sekunden.

Sturzgefahr

Dass die Kunstradfahrer des RSV Weiterode bei der einen oder anderen Drehung nicht vom Rad gefallen sind, war beachtlich. Dabei trugen sie noch Kostüme zum Motto „König der Löwen“ und trainieren täglich, was sich lohnt: Während der Fahrt auf dem Lenker stehen und sich selbst drehen, sollte nur von Profis nachgemacht werden.

Der Fisch und die Katze

Schweizer Claude Criblez kam sogar mehrere Male in die Arena und brachte ferngesteuerte Ballons in Form einer Katze und eines Fisches mit. Für Lacher sorgte Criblez durchaus, war aber keinesfalls ein Höhepunkt des Abends.

Drei Männer und eine Stange

Schon der Berliner Peter Fox hatte es bei seinem Debütalbum Stadtaffe mit den kletternden Tieren. So auch das Berliner Trio Funky Monkeys, die zu dritt eine atemberaubende Show an einer über fünf Meter hohen Stange vollführten. Dass sie auch ein Faible für Break Dance haben, zeigten sie erst zum ­Abschluss­programm, was ihren Auftritt an der Stange aber keinesfalls schlecht dastehen ließ, denn es war nicht gerade selten, da stockte den Besuchern aufgrund waghalsiger Aktionen der Atem.

Perfekt eingestimmt

Bei den jungen Artisten von Memeza stand vor allem eins im Vordergrund: Perfekte Abstimmung auf den Partner und damit auch auf die gesamte Gruppe. Nach einem kurzen Auftritt mit Feuer, begeisterte Memeza durch Akrobatik, die ihresgleichen sucht. Körperspannung und Abstimmung aufeinander waren dermaßen perfekt, dass sich wohl kaum etwas verbessern ließ. Gut aufeinander eingestimmt waren auch die Tänzer vom Traditionsvereins­club Grün-Gold-Bremen, die außerdem schicke Kostüme zum schnellen Wechsel an Tanzstilen mitbrachten.

Doppelte Höhepunkte

Nach dem Erfolg aus dem vergangenen Jahr, besuchte auch 2018 Zurcaroh aus Österreich Sport & Show. Das neue Programm war sicherlich das, worauf viele Besucher warteten und dabei keineswegs enttäuscht wurden. Mit Blumen in den Haaren und stammes­ähnlicher Kleidung überzeugte die Gruppe wieder einmal durch ihre fremde und berauschende Leistung in der Arena. Vielleicht finden sie ja auch 2019 wieder den Weg nach Rotenburg.
Wer nach Zurcaroh und Memeza noch nicht genug gestaunt hatte, durfte mit dem Duo Knavs die Kinnlade fallen lassen. Was die Herren aus der Ukraine ohne weitere Hilfsmittel allein durch Körperkraft zeigten, entzog sich so mancher Vorstellung.

Dehnungen und Balance waren bei den beiden in einem Einklang, der keinen Raum für Fehler ließ, was sie durch einige Figuren unter Beweis stellten. Als wäre ein freihändiger Kopfstand nicht schon schwer und schmerzhaft genug, so machte Anton Savchenko diesen auf dem Kopf seines Partners Vladimir Kostenko.
Doch unter der motivierenden Musik von Harry Gregson-Williams schaffte es Kostenko dabei sogar, sich einmal kurz hinzusetzen und wieder aufzustehen – Partner Savchenko befand sich dabei weiterhin auf seinem Kopf! Allein für das Duo Knavs hat sich Sport & Show wieder einmal ganz besonders gelohnt.

 

Der Vorverkauf Sport & Show 2019 findet am 17. März bei Living Stars in Bad Hersfeld und bei Edeka Lange in Rotenburg an der Fulda statt.

Ruhe in Frieden, Chester, Sänger von Linkin Park

Chester ist tot.

Es wird keine weiteren, neuen Songs geben, bei denen er mitsingt sowie keine weiteren Möglichkeiten, seine wunderbar wandelfähige Stimme live zu erleben.

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Einen ersten Kontakt mit Linkin Park hatte ich kurz nachdem ich meinen ersten PC besaß. Erste LAN-Partys im kleinen Kreis waren nicht fern und so warf quasi stündlich irgendwer, der Lautsprecher dabei hatte, Linkin Park an. Passend dazu spielten wir in Warcraft 3 auch einige Funmaps, denen Remixes der Band unterlegt waren. Schnell waren die ersten Alben, Hybrid Theory, Meteora und Reanimation gekauft, damit die Musik auch stets daheim rauf und runter gehört werden konnte.

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Fotos: pinterest

 

So begleitete mich Linkin Park durch meine gesamte Schulzeit.

Minutes to Midnight erschien nach langer Pause und ich sicherte mir Karten für einen Live-Auftritt zum Hessentag in Oberursel. Unnötige vier Vorbands zögerten die zwei Stunden mit Linkin Park bis zum Ausbuhen heraus, doch dann war es soweit. Besonders in Erinnerung blieb mir ein gut 10-minütiger Remix, der mit Bleed it Out anfing, in der Mitte ein langes Drumsolo präsentierte und schließlich in A place for my Head endete. So gewaltig, so emotional und kaum zu vergessen.

Mittlerweile war ich mit der Schule fertig und studierte.

Es folgten A Thousand Suns, das mir sehr gut gefiel, das ebenfalls hörenswerte Living Things und das wunderbare The Hunting Party. Natürlich gab es noch ein weiteres Remix-Album, Recharged, und Live in Texas, aber ich möchte mich mal auf die Hauptwerke beschränken. The Hunting Party beherbergt zudem meinen Lieblingssong der Band: A Line in the Sand. Einfach Wahnsinn, wie der Höhepunkt des Liedes über mehrere Minuten hinweg aufgebaut wird und ausklingt.

Die Blu-ray Road to Revolution/Live at Milton Keynes brachte meine Anlage dann auch mal an ihre Grenzen.

Auch das Studium beendete ich mit Linkin Park als stetem Begleiter und wagte den Schritt ins Berufsleben.

Auffällig finde ich die Namensgebung der letzten Veröffentlichungen. Die Single mit Steve Aoki, A Light That Never Comes, sowie das vor kurzem erschienene Album, One more Light, beziehen sich beide auf ein gewisses Licht. Ob damit die Inspiration gemeint ist, irgendetwas anderes oder lediglich purer Zufall?

Ich weiß es nicht, aber sicherlich bietet dies reichlich Interpretationsspielraum.

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Nach der Nachricht über Chesters Tod gestern war ich völlig fertig. Vielleicht bin ich es noch immer. Zumindest spürte ich ein simples inneres Zittern. Die Gründe, wieso und weshalb sich Chester selbst umgebracht hat, werden sicherlich in den nächsten Wochen medial breitgetreten. Wichtig ist für langjährige Fans doch aber nur die eingangs erwähnte Aussage: Wir werden nie wieder in den Genuss von neuen musikalischen Kunststücken von Chester kommen.

Zugegeben, auch von Michael Jackson kam nach seinem Tod noch ein Album heraus, was bei Linkin Park aber mager ausfallen würde, da selbst One more Light weniger Songs (10) gegenüber bisherigen Alben, z.B. The Hunting Party (12) hatte.

Die Zeit, in der man annimmt, immer wieder etwas von seinen Lieblingsmusikern oder -schauspielern zu hören oder zu sehen, ist wunderbar. Lediglich Wartezeiten von einer Veröffentlichung zur nächsten gilt es zu überbrücken. Chesters Tod zeigt wieder einmal, wie schnell diese Zeit ein Ende haben kann. Natürlich muss das nicht das Ende von Linkin Park sein, doch Chesters Stimme bleibt einzigartig.

Chester, ich werde dich und deine Musik vermissen.

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Seid freundlich zu euren Mitmenschen und kümmert euch um die, die euch am Herzen liegen. Unfälle passieren zu plötzlich (s. Paul Walker, 2013) und Selbstmorde sollten kein Ausweg sein, den jemand bewusst wählt. Es muss nicht so weit kommen. Bei niemandem.